Erfolgsfaktoren bei der Auswahl von Handelssystemen

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Ihre Geschäftsprozesse sollten sich nicht daran orientieren müssen, was Ihre IT-Systeme auch abbilden können. Anforderungen an die Systemtechnik wachsen permanent - nicht nur durch immer komplexere Strategien der Handelsabteilungen oder innovative Finanzprodukte für immer informierter Kunden. Auch kleinere Institute, für die Investmentbanking und riskanter Eigenhandel nicht zum Daily Business gehören, stehen vor der Herausforderung der Einbindung von Online-Auftritten und eines transparenten Risikomanagements, was von zentraler Bedeutung für das Rating ist.

Der Wechsel eines Handelssystems ist nicht nur ein Upgrade auf das neueste Produkt von Firmen, die man aus jahrelanger Zusammenarbeit kennt und schätzt. Dieses Produkt muss viel mehr in ein komplexes Zusammenspiel verschiedenster IT-Systeme eingefügt werden, oftmals auch unterschiedlicher Hersteller. Und solange ein Institut nicht dem anderen gleicht, kann selbstverständlich auch eine Software nicht für alle Anwender gleich gut geeignet sein.


Perfekte Integration ist wichtig, aber nicht das einzige Ziel

Bei der Auswahl des perfekten Handelssystems bewegt sich ein Institut heutzutage zwischen vier Extremen. Das eine Gegensatzpaar ist "Best of Breed" gegenüber "Integrated Plattform". Ist es also einfacher ein hochspezialisiertes Produkt in eine vorhandene Systemlandschaft einzupassen? Oder ist es erfolgversprechender eine einheitliche Softwarelösung zu verwenden, die Front- und Backoffice noch nahtloser verbinden kann? Notwendigerweise handelt es sich hier um ein hochkomplexes Produkt, das innerhalb einer einheitlichen Lösung ein Maximum an Möglichkeiten bieten muss und dessen Konfiguration auch entsprechend aufwändiger ist.

Die anderen zwei Extreme sind "Buy" gegen "Build". Ist es im Einzelfall also wirtschaftlicher, eine ebenso leistungsfähige wie teure Systemsoftware anzuschaffen, zu konfigurieren und im laufenden Betrieb regelmäßig zu warten? Oder macht es mehr Sinn, für spezielle Funktionen, die sich nur schwer in gängiger Software darstellen lassen, eine eigene Lösung zu erarbeiten? Zu bedenken gilt es zudem, dass Funktionalität nicht die einzige wichtige Eigenschaft einer Softwarearchitektur ist. Um angesichts einer Entscheidung von derart zentraler, strategischer Bedeutung, wie der Wahl eines elektronischen Handelssystems ein wenig Orientierung zu verschaffen, haben wir hier einige zentrale Punkte zusammengefasst, auf die geachtet werden sollte. Ob nun für die Handelsabteilung in einem international ausgerichteten Institut oder in einer kleinen Kreissparkasse.


Alles greift ineinander: das passgenaue System

Ein neues System sollte einerseits zur aktuellen Systemlandschaft und den derzeitigen Abläufen im jeweiligen Institut passen, aber gleichzeitig auch die Zukunft im Auge behalten. Diese Fragen helfen Ihnen dabei:

  • Gibt es eine schlüsselfertige Lösung?
    Den Arbeitsaufwand, eine komplexe Software zu konfigurieren, die auch die Geschäftsprozesse abbilden kann, sollten Sie nicht unterschätzen. Ist diese nicht von vornherein für einen Einsatz konzipiert, der den Anforderungen in Ihrem Unternehmen stark ähnelt, so vergrößert sich der Aufwand beträchtlich. Die Wahl eines Systems, das Ihren individuellen Abläufen dabei weitestgehend entgegen kommt, spart Zeit und Nerven.

  • Wie passt das gewählte System in die Zielarchitektur?
    Nahezu alle Abläufe im heutigen Bankwesen sind IT-gestützt. Das Handelssystem muss nicht nur in den Zahlungsverkehr, das Clearing, das Berichtswesen oder die interne Revision integrierbar sein, sondern viele dieser Bereiche sind vielmehr nach außen vernetzt und nach völlig eigenen Kriterien konzipiert. Um unangenehme Überraschungen auszuschließen, ist daher zudem eine Bestandsaufnahme notwendig, die alle Schnittstellen auf mögliche Fehlerquellen hin überprüft.

  • Ist die Software modular aufgebaut und entsprechend einfach skalierbar?
    Früher oder später werden Sie neue Handelsprodukte einführen oder eine Funktionalität benötigen, von der Sie heute noch gar nichts wissen. Bereiten Sie sich jetzt schon darauf vor. Der Sinn von modularer Programmierung ist es, auch größere Veränderungen so einfach wie irgend möglich zu machen. Im Idealfall kann Ihre Softwarearchitektur dann mit Ihren Handelsaktivitäten nahezu unbegrenzt mitwachsen.

  • Ist die zugrunde liegende Technologie innovativ und zukunftsfähig?
    Wenn Sie sich für eine Software entscheiden, ist auch die zukünftige Kaufentscheidung anderer Kunden immer ein wichtiger Aspekt. Finden Sie sich nach wenigen Jahren mit einer Lösung wieder, die außer Ihnen niemand mehr verwendet, kann eine Vielzahl von Problemen auftreten. Ist die gewählte Technik zukunftsfähig, werden hingegen mit der Anzahl der Kunden auch zukünftige Weiterentwicklungen immer profitabler und damit wahrscheinlicher.

  • Sind alle wichtigen Schnittstellen vorhanden?
    Wesentlich sind dabei die Schnittstellen zu Ordersystemen (z.B. XETRA, EUREX, FX Trader etc.), für die Markdatenversorgung (z.B. Reuters, Bloomberg), für den Zahlungsverkehr (z.B. S.W.I.F.T, RTGS+, TARGET etc.) und für die Gattungsdatenversorgung (z.B. WM, Telekurs etc.).

    Wenn Sie sichergestellt haben, dass ein System zu Ihnen passt und genügend Raum bietet für historisch bedingte Eigenheiten und für zukünftige Erweiterungen, dann haben Sie eine wichtige Hürde genommen. Die Funktionalität im Normalbetrieb scheint gewährleistet. Aber gibt es im Geschäftsleben so etwas wie Normalbetrieb überhaupt? Vorausschauendes Management bedeutet, sich auf Krisen einzustellen bevor sie eintreten. Auch hier gilt die Abwägung von Kosten und Nutzen. Aber die Erfahrung zeigt, dass es nie zu kostspielig ist, für die wichtigsten Eventualitäten gerüstet zu sein.


    Auf alles vorbereitet: Reine Leistung zählt

    Leistung ist nicht nur eine Eigenschaft der Hardware. Auch eine Softwarearchitektur muss von vornherein so ausgelegt sein, dass sie Spitzenbelastungen und externe technische Störungen problemlos verdauen kann. Gerade der Grad der umfassenden Vernetzung im heutigen Wirtschaftsleben kann den hauseigenen Systemen einen unvorhergesehenen Stresstest bescheren. Die wichtigsten Kriterien für die Robustheit Ihres Systems sind:

  • Verfügbarkeit
    Das beste Argument ist und bleibt eine problemlose Performance in der Praxis. Ein System, das bekanntermaßen fehlertolerant ist und von einem weiten Kundenspektrum ohne Ausfälle genutzt wurde, hat auch Ihr Vertrauen verdient. In der Praxis wird so ein System über eine funktionale Softwarearchitektur verfügen und kritische Bereiche, wie die Versorgung mit Marktdaten und das Orderrouting sind redundant angelegt. Außerdem existieren Mechanismen, die mögliche Spannungsschwankungen im Stromnetz ausgleichen können.

  • Sicherheit
    Wenn es in Ihrem System irgendwo eine Sicherheitslücke gibt, die ein Außenstehender nutzen kann, dann wird sie früher oder später auch jemand finden. In einem zuverlässigen System wurde der Sicherheitsgedanke bereits von Anfang an berücksichtigt. Die gesamte Softwarearchitektur sollte auf dem Prinzip basieren, Missbrauch nicht weitgehend, sondern vollständig auszuschließen. Insbesondere Manipulationsmöglichkeiten durch einen gezielt herbei geführten Buffer Overflow lassen sich bei sorgsamer Programmierung vollkommen ausschließen.

  • Systemkapazität
    Früher oder später wird der Fall eintreten, dass alle Ihre Mitarbeiter versuchen, zum selben Zeitpunkt auf die gleiche Applikation zuzugreifen. Sowohl die Software, als auch die Hardware sollten in ihrer Kapazität immer für die maximal denkbaren Anforderungen konzipiert sein.

  • Belastbarkeit bei großen Volumina
    Während die maximale Anzahl der Mitarbeiter, die versuchen können gleichzeitig auf das System zuzugreifen, jederzeit klar ist, gilt das nicht für die Handelsvolumina. Sich hier mit Erfahrungswerten aus dem alltäglichen Betrieb zufrieden zu geben, ist bei weitem nicht ausreichend. Ausnahmesituationen können vorkommen.

  • Dokumentiertes Datenmodell
    Nicht alle eingegebenen Daten sind gleich zuverlässig. In einem dokumentierten Datenmodell besteht die Möglichkeit, alle Einträge bis zu ihrer Herkunft zurückzuverfolgen. Und im Notfall können auch fehlerhafte und zweifelhafte Daten gezielt überprüft und berichtigt werden.

    Wir sind einen bedeutenden Schritt weiter gekommen. Wir haben das System unserer Wahl geprüft und wir wissen jetzt, dass es auch funktionieren wird, wenn es funktionieren soll. Aber auch das komplexeste System ist nur ein Werkzeug, das auf einen kompetenten Nutzer angewiesen ist. Eine hochspezialisierte Handelsabteilung, deren Software vor allen Dingen Performance liefern muss, wird auch bereit sein, ihren Mitarbeitern diese Kompetenz in aufwändigen Schulungen zu vermitteln. Ein kleineres Institut, mit geringeren technischen Anforderungen, wird hingegen froh sein, diesen Aufwand so weit wie möglich zu minimieren.


    Usability aus der Sicht des Benutzers

    Usability erfordert keine langen Erklärungen, was gemeint ist erschließt sich von selbst. Die wesentlichen Punkte sind:

  • Benutzerführung und Konfigurierbarkeit
  • Umfassende, aktuelle und verständliche Hilfedokumentation
  • Einfaches Hinzufügen neuer Handelsprodukte
  • Einfache Berichtserstellung auch für kundenspezifische Berichte nach eigenen Algorithmen

    Und zu guter Letzt sollten wir auch nicht vergessen, dass ein Handelssystem nicht eine einmalige Anschaffung ohne Folgekosten ist.


    Service: die Zukunft im Blick

    Optimalerweise unterstützt sie ein Hersteller auch langfristig. Worauf Sie dabei achten sollten sind eine kompetente deutschsprachige Hotline, ein breites Produktspektrum, einen kosteneffizienten Service sowie einen schlanken und effektiven Prozess beim Systemupgrade.

    06/2007, Joachim Schöler



    Gründer und Geschäftsführer der ft consult Unternehmensberatung GmbH. Sitz der ft consult Gmbh ist in München sowie Frankfurt am Main und in Brühl.


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