|  |
Lernen vom und für das iPhone

 
270.000 iPhones konnte Apple allein in den ersten beiden Verkaufstagen absetzen. Bis Ende
September sollen eine Million dieser Handys verkauft sein, bis Ende 2008 zehn Millionen.
Apple hat einen gewaltigen Medienrummel veranstaltet, und etliche Fans haben mehrere Tage
vor dem Verkaufsstart vor den Apple-Läden kampiert, auch wenn letztlich doch genug für
alle da war.
Was hat das jetzt mit dem Web oder mit Konzeption zu tun? Zwei Dinge sind in dem
Zusammenhang interessant: Zum einen, wie Apple es geschafft hat, so viel positive
Berichterstattung zu bekommen. Zum anderen, wie sich unser Umgang mit dem Web durch mobile
Geräte verändert.
Wie man alles richtig macht
Die Firma Apple hat eine eingeschworene Fangemeinde, die derzeit ständig wächst.
Insbesondere die Laptops sind leistungsstark und für das, was sie leisten kaum teurer als
die Konkurrenz. Und der iPod ist unangefochten der Spitzenreiter bei den MP3-Playern.
Design und Benutzerfreundlichkeit sind bei den Apple-Produkten vorbildlich. Und Apple
macht perfekte PR.
Insofern ist es nicht überraschend, dass vor dem Verkaufsstart alle Zeitungen,
Zeitschriften, Fernsehsendern und online-Medien über das iPhone ausführlich berichtet
haben. Überraschend ist aber, dass auch nachdem etliche Journalisten, Blogger und
Technikfans das Gerät getestet haben, kaum Negatives darüber zu lesen ist. Üblicherweise
findet immer jemand ein Haar in der Suppe – besonders wenn alle Medien etwas in den
höchsten Tönen loben erreicht man mit einer abweichenden negativen Meinung viel
Aufmerksamkeit.
Aber beim iPhone: Fehlanzeige. Lediglich die Batterielaufzeit könnte länger sein, oder die
Sprachqualität besser. Aber das Gerät ist Handy, und irgendetwas gibt es immer zu
verbessern.
Offenbar hat Apple alles richtig gemacht. Und hier wird es interessant, für alle, die
selbst Dinge entwickeln – seien es Handys, andere Geräte oder Websites. Wie hat Apple das
geschafft? Basis für den Erfolg war aus meiner Sicht:
- Vor dem Projektstart eine exakte Bestandsaufnahme (was für Geräte – Handys, Smartphones,
MP3-Player, Organizer – gibt es, was leisten sie?)
- Eine umfassende Bedürfnisanalyse (was wollen die Nutzer?)
- Eine aufwändige, den ganzen Entwicklungsprozess begleitende Usability-Analyse von Soft-
und Hardware
Genau diese drei Schritte sind auch nötig, wenn Sie eine Website entwickeln. Sehen Sie
sich an, was es schon gibt. Finden Sie heraus, was Ihre Nutzer wollen. Und stellen Sie
sicher, dass alles so leicht wie möglich zu benutzen ist. Nur wenn Sie das schaffen,
bekommen Sie zufriedene Benutzer und damit auch positive Resonanz, wenn der Hype
abgeklungen ist.
Wie das iPhone das Web verändert
Neben telefonieren und Mails schicken und empfangen kann man mit dem iPhone auch im Web
surfen. Dazu hat es den Webbrowser Safari an Bord, der auch auf dem Mac weit verbreitet
ist – seit ein paar Wochen gibt es ihn auch für Windows. Das ist an sich noch nichts
Revolutionäres. Aber Apple hat sich Gedanken gemacht, wie man Webseiten am besten mobil
benutzt. Der Bildschirm ist hoch auflösend und man kann das Gerät drehen, dann zeigt es
die Webseiten automatisch im Querformat an. Tippt man auf einen Bereich einer Webseite,
wird er vergrößert dargestellt, so dass man auch klein geschriebene Texte problemlos lesen
kann.
Damit ist man durch das iPhone sowohl unabhängig von den Site-Betreibern (für andere
Mobilgeräte bieten manche Site-Betreiber speziell aufbereitete Versionen ihre Sites an),
als auch vom Mobilfunk-Anbieter (manche bereiten wichtige Sites so auf, dass sie auf
Mobilgeräten besser lesbar sind).
Das iPhone nutzt automatisch ein drahtloses Netz (WLAN) anstelle des langsameren
Telefonnetzes, sobald es ein solches entdeckt.
Damit hat das iPhone das Potenzial, den Durchbruch für das mobile Web zu bringen. Es wird
in den USA nur zusammen mit einem Datentarif angeboten; die Hemmschwelle, mobile Dienste
zu nutzen, ist also nicht hoch. Anders als der PC ist es immer an, und so werden viele
iPhone-Besitzer es auch zu Hause auf dem Sofa nutzen. Zum Beispiel um schnell mal einen
Begriff in der Wikipedia nachzusehen. Oder um zu planen, wann man morgen früh aus dem Haus
muss, damit man den Zug erwischt. Das Display ist zwar nicht riesig, aber vielleicht groß
genug, dass man lieber sitzen bleibt und den schicken Routenplaner nutzt als aufzustehen,
den Stadtplan rauszukramen und zu schauen wie man am Abend am schnellsten zur Grillparty
bei Freunden kommt.
Bei allen mobilen Geräten, die ich bisher ausprobiert habe, war das Surfen im Web irgendwo
zwischen unkomfortabel bis extrem nervig. Das wird sich ändern. Nicht nur, weil einige
Menschen mit dem iPhone surfen werden. Vor allem auch deshalb, weil Apple mal wieder
vorgemacht hat, wie Benutzerfreundlichkeit funktioniert. Die anderen Handyhersteller waren
sicher unter den ersten Käufern des iPhone und sind schon fleißig am Überlegen, wie sie
ihre Anwendung auch so benutzerfreundlich hin bekommen.
Wie müssen Websites für das iPhone aussehen?
Der für Verkaufsstart das iPhone in Deutschland ist frühestens November. Und es wird
sicher eine ganze Weile dauern, bis das iPhone einen größeren Markanteil erreicht. Ist
Ihre Site aber für iPhone-Nutzer interessant, dann können Sie sich einen Vorteil
verschaffen, wenn Sie Ihre Site dafür anpassen. Solche Sites bieten vor allem: Nachrichten
sowie Informationen, die unterwegs wichtig sind wie Wetter-, Hotel-,
Restaurant-Informationen. Aber auch wenn beispielsweise ein Kunde auf dem Weg zu Ihnen
nochmal die Hausnummer nachsehen will, ist es gut, wenn er das mit seinem iPhone tun kann.
Die wichtigsten technischen Beschränkungen:
- 480 x 320 Pixel Bildschirmauflösung
- kein Flash, kein Java (JavaScript dagegen schon)
Alle weiteren Funktionen dagegen arbeiten wie in jedem Browser gewohnt. Um sicher zu
gehen, testen Sie mit Safari 3 (derzeit noch im Beta-Stadium) oder Sie nutzen iPhoney, ein
Mac-Programm, das das Surfen mit dem iPhone simuliert. Auf Apples Website finden Sie
hervorragend aufbereitete Informationen, was Sie sonst noch beachten müssen – bzw. können,
wenn Sie es ganz perfekt machen wollen.
Wie gesagt, Apple hat das iPhone so angelegt, dass sich damit fast jede Website anzeigen
und nutzen lässt. Wenn Sie aber Ihren Konkurrenz-Sites einen Schritt voraus sein wollen,
testen Sie Ihre Site und optimieren Sie sie für die mobile Nutzung – nicht nur für das
iPhone. Und denken Sie daran: das ist wie immer nicht nur Technik, auch auf die sinnvolle
Aufteilung der Inhalte kommt es an.
Links
- Englischer Erfahrungsbericht über nervige Smartphones zum Websurfen
- Informationen von Apple zur Optimierung von Seiten für das iPhone
- Kostenlose Software, die auf dem Mac den iPhone-Browser simuliert08/2007, Jens Jacobsen

Kommentare zu diesem Beitrag 
|  |  |

Weitere Beiträge zu diesem Thema
|  |  |
 |  |  | Die ING-DiBa entschloss sich zu einem massiven Einschnitt: Die Repräsentation der Daten wurde auf ein professionelles IT-System für Business Intelligence umgestellt... |  |  |  | Wie viele und welche Produkte abbilden? Antwort: Die Produkte abbilden, die den Shop-Besucher im Moment des Startseiten interessieren! Dabei darauf achten, dass die Startseite übersichtlich und nicht überladen wirkt... |  |  |  | Ein Ad-Text ist erfolgreich, wenn er geklickt wird. Aber das liegt auf der Hand! Deshalb konkreter: Wird er vom richtigen User geklickt, dann ist ein Ad-Text erfolgreich... |  |  |  | Die aktuelle Rechtsprechung macht Onlinehändlern zur Zeit das Leben schwer. Einige Gerichte haben das gesetzliche Muster zur Belehrung des Verbrauchers über sein Widerrufsrecht wegen falscher Formulierung für unzulässig erklärt... |  |  |  | Über Suchmaschinen-Marketing können Unternehmen zielgerichtet Besucher einkaufen, die vorher definierte Suchbegriffe in Suchmaschinen eintippen. Dabei ist aber wichtig, dass Suchbegriffe sehr unterschiedlich sein können... |  |
Beiträge aus anderen Themenbereichen
|  |  |
 |  |  | Wer sich mit Führungskräften unterhält, hört viel über Zielvereinbarungen, Effizienzoptimierung, Kostensparen, Dauermeetings und die Tücken der Konkurrenz... |  |  |  | Wenn wir in unserem Umfeld von Wissensmanagement sprechen, dann beziehen wir uns in erster Linie auf Informationen, die bereits digital vorhanden sind... |  |  |  | Verschiedene Studien über das europäische Private-Banking-Geschäft stellen fest, dass bei Privatbanken und Vermögensverwaltern der Kundenservice als wichtigster Differenzierungsfaktor angesehen wird... |  |
|  | |  |