Commerce 2.0 für mehr Geschäft mit mehr Kunden

Autor: Bruno von Rotz
Eingetragen seit: 08/2007
Letzter Beitrag: 02/2008
Beiträge insgesamt: 9
Expertenprofil   Alle Experten   

DruckversionAls E-Mail versendenZum Magazin-Forum

Kapitel:

Web 2.0 breitet sich unaufhaltbar aus. Was über Jahre als Evolution von Internet-Anwendungen begonnen hatte und via O’Reilly einen Namen erhielt, beherrscht heute schon fast täglich die Schlagzeilen und die Gerüchteküche. Online-Anwendungen wie YouTube, Flickr, MySpace, Google oder Kayak beinflussen die Erwartungshaltung der Konsumenten zunehmend und damit auch die Anforderungen an eCommerce. Hier gibt es viel Aufhol- und Innovationsbedarf.


eCommerce 1.0 kommt in die Jahre

eCommerce ist eine Disziplin, die nun bereits mit über 10 Jahren Erfahrung gesegnet ist und die beim Kunden auf immer grössere Akzeptanz stösst. Da müsste man davon ausgehen können, dass die Anbieter ihre Hausaufgaben gemacht haben. Weit gefehlt, die Realität sieht anders aus!


Aus Benutzersicht sind viele eCommerce-Angebote unbefriedigend:

Produkte können kaum gefunden werden, weil die Suche nur Teile der Inhalte erfasst, mit "unscharfen" (fuzzy) Suchbegriffen nicht umgehen kann oder schlicht nicht korrekt funktioniert. Der Weg von der Produktauswahl bis zum Abschluss der Transaktion ist so langwierig, kompliziert und vielleicht gar unverständlich, dass ein erheblicher Teil der Einkaufstransaktionen gar nie vollendet werden. Der potentielle Kunde wird schlecht über Produktverfügbarkeit und Lieferungsoptionen informiert und verzichtet daher auf einen Kauf. Es werden zu wenig Zahlungsoptionen angeboten. Und schlussendlich wird der Kunde über den Verlauf der Lieferung nach Abschluss der Transaktion gar nicht oder nur schlecht informiert, was zu Unklarheiten, Unsicherheiten oder gar Stornierungen oder Doppelbestellungen führt.


Die Anbieter scheinen sich der Konsequenten nicht bewusst zu sein

Gemäss JupiterResearch wurden bereits im Jahre 2005 27% der Kaufentscheidungen – ob online oder offline – durch das Internet beeinflusst. Dieser Anteil soll bis 2010 auf über 50% ansteigen. Und es kommt noch schlimmer. Allurent fand in einer Untersuchung heraus, dass 28% der durch eine schlechte Internet-Angebot frustrierten Kunden auch nicht mehr im physischen Geschäft desselben Anbieters einkaufen.

Gründe genug, die eCommerce-Präsenz professionell und durchdacht zu bauen und zu betreiben. Über die letzten Jahre haben viele Anbieter die Online-Präsenzen vernachlässigt oder zumindest nicht verbessert, die Infrastruktur liegt oftmals im Argen, Technologien sind obsolet, Lösungsbestandteile schlecht integriert. Einer möglichen Anwendungsverbesserung oder –erweiterung bietet sich damit ein schlechtes Fundament. Dies wird gerade in einer Zeit, wo die Ansprüche mit Web 2.0 sprunghaft wachsen, zu einer enormen Herausforderung.


Commerce 2.0 oder der Einfluss von Web 2.0 auf eCommerce

Ermöglicht durch hohe Brandbreiten, die eine schnellere Übertragung von umfangreicheren Inhalten (Bild, Ton, Video/Animationen) erlaubt, Innovationen im Browser, welche interaktivere und mit bewegten Bildern angereicherte Dialoge zulassen, sowie offene Standards (RSS/Atom) und einfach nutzbare Schnittstellen (REST), die den Austausch von Informationen zwischen Sites und zwischen Sites und Benutzern auf einheitliche Art und Weise unterstützen, haben sich mit Web 2.0 neuartige Bedienungsformen und Kommunikationsmuster etabliert.

Rich Internet Applications erlauben eine Interaktvität im Browser, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Mash-Ups, also die Verbindung unterschiedlicher Datenquellen und webverfügbaren Funktionalitäten zu neuen Anwendungen durch einfache Programmierung oder gar durch den Benutzer selber führen zu völlig neu gearteten Verwendungsweisen und Verknüpfungen. Abonnierbare Inhalte werden unabhängig von der Ursprungsumgebung konsumiert. Moderne Internetapplikationen bieten gerade dem eCommerce-Nutzer damit viele Möglichkeiten, ein Produkt zu betrachten, zu kommentieren, zu diskutieren, zu konfigurieren und sogar mitzugestalten.




Nutzung von "Rich Media", Analytics und benutzerbeigesteuerte Inhalte und Bewertungen in bereits existierenden Online-Anwendungen


Um Commerce 2.0 zeigen sich heute die folgenden Trends:

  • Interaktivität und Ausgestaltung des Frontends auf höchstem Niveau: eCommerce-Sites sind von den neuen Möglichkeiten und auch Benutzer-Ansprüchen rund um Web 2.0 besonders betroffen. Gerade hier werden die Konsumenten auf innovative Lösungen pochen und insbesondere bezüglich der Benutzerschnittstelle (Stichwort RIA – Rich Internet Applications) nur mit dem Besten zufrieden sein. Der Einsatz von Bild, Video ist hier besonders erwähnenswert, aber auch innovative Konfigurations- und Simulationshilfsmittel (z.B.: wie würde das zu kaufende Sofa in meinem eigenen Wohnzimmer aussehen).


  • Einbezug sozialer Netzwerke und unabhängiger Beinflusser: Käufer vertrauen oft ihren Verwandten oder Bekannten, wenn sie sich Produkte empfehlen lassen. Sie bevorzugen Bewertungen und Kommentare unabhängiger Dritter (z.B. anderer Kunden) und sie sind auch selber bereit, ihre eigenen Erfahrungen mitzuteilen. Fortschrittliche Online-Retailer nutzen diese Kräfte, um ihren eigenen Kunden einen Mehrwert bieten zu können. Eine Promotion von Produkten auf MySpace oder YouTube kann oftmals erfolgsversprechender sein, als eine weitere eigene Website zu bauen. Und auch die Angst vor Kunden, die mit schlechten Feedbacks zu Produkten andere Kunden vergraulen ist weitgehend unbegründet. Gemäss einer neueren Untersuchung von Forrester sind über 80% von Kunden-Reviews positiv und selbst negative Bewertungen führen nicht unbedingt zu Umsatzverlusten, da die Konsumenten in vielen Fällen trotzdem kaufen.


  • Spezialisierung: Mehr und mehr fokusieren eCommerce-Anbieter auf ihre Kernkompetenzen und lagern Teilprozesse aber auch Funktionalitäten aus. Ein Beispiel sind die bereits früher erwähnten Kunden-Feedbacks. Mit dem Entstehen spezialisierter Online-Foren für den Vergleich von Produkten, Preisen und Charakteristiken von Produkten inklusive Bewertungen der Produkte durch die Konsumenten kann es für manchen eCommerce-Anbieter sinnvoll sein, diese mitzubenutzen. Mit Google Checkout kann das gesamte Bezahlwesen ausgelagert werden. Spezialisierung tritt aber auch bezüglich der Gestaltung des Angebotes auf, und kommt insbesondere zusammen mit dem nachfolgend beschriebenen Trend zur Aggregierung vor.


  • Aggregierung und Vervollständigung des Angebotes: Dank einfacher offener Standards für die Anwendungsintegration können heute sogenannte "Mash-Ups" mit verhältnismässig geringem Aufwand erstellt werden. Dies erlaubt es einem Anbieter sein eigenes Angebot mit Produkten anderer Anbieter zu vervollständigen. Der Shopping-Cart bleibt einheitlich und der Konsument hat eine durchgehende Bedieneroberfläche.

Lesen Sie das nächste Kapitel

weiter
 1: Eine Commerce 2.0 Architektur

08/2007, Bruno von Rotz



Bruno von Rotz ist Vice President Research & Strategy und Country Manager Schweiz von Optaros.
Alle Experten   
Publizieren Sie Ihren eigenen Fachbeitrag   


Kommentare zu diesem Beitrag 


Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Beitrag

Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nichts und bleiben Sie informiert mit unserem Newsletter.
Ihre E-Mail Adresse:  
RSS-Feed: Alle News aktuellUnsere News auf Ihrer Website

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Praxis: ING-DiBa Herrin der Daten
Die ING-DiBa entschloss sich zu einem massiven Einschnitt: Die Repräsentation der Daten wurde auf ein professionelles IT-System für Business Intelligence umgestellt...
Startseiten-Gestaltung bei Online-Shops
Wie viele und welche Produkte abbilden? Antwort: Die Produkte abbilden, die den Shop-Besucher im Moment des Startseiten interessieren! Dabei darauf achten, dass die Startseite übersichtlich und nicht überladen wirkt...
Lernen vom und für das iPhone
270.000 iPhones konnte Apple allein in den ersten beiden Verkaufstagen absetzen. Bis Ende September sollen eine Million dieser Handys verkauft sein, bis Ende 2008 zehn Millionen...
Erfolgreiche Ad-Texte
Ein Ad-Text ist erfolgreich, wenn er geklickt wird. Aber das liegt auf der Hand! Deshalb konkreter: Wird er vom richtigen User geklickt, dann ist ein Ad-Text erfolgreich...
Problematische Widerrufs- oder Rückgabebelehrung im Onlinehandel
Die aktuelle Rechtsprechung macht Onlinehändlern zur Zeit das Leben schwer. Einige Gerichte haben das gesetzliche Muster zur Belehrung des Verbrauchers über sein Widerrufsrecht wegen falscher Formulierung für unzulässig erklärt...

Beiträge aus anderen Themenbereichen

Zwischen Extranet und Wikifarming - Trends im Einsatz von Firmen-Wikis
Kein Zweifel: Wikis erobern die Firmen. Zahlreiche Anbieter von Firmen-Wikis sind in den letzten zwölf Monaten auf dem Markt erschienen. Sie bieten an, das Wissens- und Qualitätsmanagement effektiver zu organisieren...
Case Study: Dynamische Wissensdatenbank bietet Antworten auf viele Fragen
Telekommunikationsdienstleistungen sind zu einem Gebrauchsartikel geworden, ein so genanntes „Commodity“-Gut. Moderne Telco-Unternehmen wollen und müssen sich infolgedessen unterscheiden...
Einfache Planung zur Einführung eines DMS oder ECM - Teil II
Der Einführung einer DMS/ECM-Lösung sollte immer eine sorgfältige Projektplanung vorangehen. Es ist notwendig, bestimmte Eckpunkte einzuhalten, um nicht zu scheitern...

Erotischer Chat
Das Content Management PortalDas Dokumenten Management PortalDas IT-Security PortalDas Customer Relationship Management PortalDas E-Commerce PortalDas Enterprise Resource Planning PortalPortal für VoIP und mobile KommunikationDas Magazin für IT im KrankenhausDas Verzeichnis für IT-Profis
homeimpressumerklärung zum datenschutz - privacy policykontaktwerbung

Schnellsuche