Empfehlungen sind im Social Shopping das höchste Gut

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Die Zeiten haben sich geändert. Online-Handel ist nicht länger gleichbedeutend mit der Jagd nach Schnäppchen. Verwöhnt durch Web 2.0 suchen Kunden heute auch beim Shoppen Interaktion und soziale Elemente. Social Commerce bietet verschiedene Instrumente, um Reichweite und auch Umsatz zu steigern.

Die Zeichen stehen im Moment gut für den elektronischen Handel. Das Einkaufen im Internet gewinnt weiter an Akzeptanz, außerdem beflügeln schnelle Internet-Zugänge, der stärkere Einsatz von Kreditkarten und die insgesamt zunehmende Konsumfreude der Menschen die Branche. Die Chancen verschärfen allerdings gleichzeitig den Wettbewerb. Egal ob Lebensmittel-Discounter, Fachmärkte oder klassische Versandhändler – sie alle bauen ihr Online-Engagement aus und bewerben es kräftig.

Um gegen teure Printanzeigen und Suchmaschinen-Marketing-Kampagnen der Branchenriesen zu bestehen, können Shopbetreiber von den veränderten Gewohnheiten der Online-Nutzer profitieren. Neben der Informationssuche und dem Versand von Daten nutzen sie das Medium verstärkt für Unterhaltung und soziale Interaktion auf Blogs, Videoportalen oder Communities. Wie können Online-Shops das vielzitierte Web 2.0 für ihre Zwecke einsetzen?


Verbindung von Shopping und Community

Die Lösung liegt in der intelligenten Verbindung von Shopping und Community-Elementen, dem Social Shopping. Wichtiger Erfolgsfaktor ist die Einbeziehung von Kunden und Interessenten in den Verkaufsprozess. Im Mittelpunkt des Social Shopping steht nicht ein bestimmtes, vorher festgelegtes Warenangebot, sondern die soziale Interaktion. Der Austausch mit Freunden, Anbietern oder anderen Usern beeinflusst zunehmend auch online die Kaufentscheidungen. Shoppen soll, wie der Aufenthalt in einer Community, ein Erlebnis sein. Dazu gehören der Austausch zwischen Menschen mit gleichen Interessen, die Möglichkeit, selbst aktiv etwas zu gestalten, sowie das Streben nach Anerkennung.


Communities nutzen

Die Umsetzung einer Social-Commerce-Strategie muss jedoch nicht gleich den Aufbau einer eigenen Community bedeuten. Das würde die Ressourcen und das Know-how der meisten Online-Shops überfordern. Einfacher ist das Engagement in bestehenden sozialen Netzwerken.

Seit letztem Jahr bieten die US-amerikanischen Anbieter MySpace und Facebook Schnittstellen für die Einbindung externer Applikationen zum Beispiel von Online-Shops an. Inzwischen klinken sich dort Buchhändler, Musik- und Videodienste sowie Reisedienste ein, um auf einen Schlag Millionen von Nutzern für sich und ihr Warenangebot zu begeistern. Die Anwender können über ihr Profil Produkte aus dem Shop bewerten und – direkt aus Facebook heraus – zusammen mit ihren Freunden Online-Käufe tätigen. Von den 30 Millionen Nutzern haben sich immerhin 500.000 die Applikation des Mode- und Style-Anbieters Stylefeeder installiert und rund 12.000 Mitglieder nutzen sie aktiv.

Aber es gibt auch negative Erfahrungen, wie das US-Fachmagazin "InternetRetailer" herausgefunden hat: So fällt das erste Fazit des Online-Shopping-Centers shop.com ernüchternd aus: Nur rund 400 Facebook-Mitglieder hätten die Applikation zum Empfehlen von Produkten in ihrem Profil eingebunden und sogar nur drei oder vier Community-Mitglieder nutzen nach Unternehmensangaben das Tool regelmäßig. Von einer Ausweitung des Engagements auf MySpace nimmt der Shop erst einmal Abstand. In sozialen Netzwerken wie hierzulande StudiVZ oder lokalisten, so die Einschätzung von Experten, wollen die Leute flirten, Freunde wiederfinden oder sich selbst präsentieren, aber nicht unbedingt shoppen.


Eine neue Generation von Communities

Shoppingbegeisterte treffen sich inzwischen auf speziellen Social-Shopping-Communities. Die Social Shopper, wie die Mitglieder genannt werden, kehren den inzwischen meist austauschbaren Shopping-Meilen der Großstädte den Rücken und entdecken das Internet als Quelle für Trendprodukte und besondere Produktideen. Besonders Erfolg versprechend ist daher ein Engagement für kleinere Online-Shops oder Anbieter mit einem besonderen Angebot.

Diese neue Generation von Communities hat kaum etwas mit den bekannten Preissuchmaschinen oder Bewertungsportalen gemeinsam. Denn die Nutzer wollen nicht nur empfehlen, sondern selbst stöbern, Anregungen und neue Produkte suchen und sich austauschen. Die Produktempfehlungen tragen sie aus den verschiedensten Online-Shops zusammen und sammeln diese in öffentlich zugänglichen Merk- und Wunschlisten. Umfragen, Gewinnspiele und Themen-Specials sorgen für Unterhaltung. Im Gegensatz zu Shop-eigenen Communities oder Applikationen bleiben die Social-Shopping-Plattformen vollkommen unabhängig von den Anbietern. Das erhöht ihre Glaubwürdigkeit.


Partnerschaften schließen

Je nach Community stehen Shopbetreibern verschiedene Formen für ein Engagement offen. Sie können beispielsweise selbst ausgewählte oder neue Produkte innerhalb der Community vorstellen. Sie bringen so in Erfahrung, was andere Nutzer davon halten. Gefällt das Produkt, nehmen es andere Nutzer in die eigene Empfehlungs- und Wunschliste auf und erhöhen damit die Aufmerksamkeit für das Angebot. Aber Vorsicht: Das massenhafte Einstellen eigener Produkte bleibt nicht lange unentdeckt und wird entweder durch den Community-Betreiber oder die Community selbst geahndet, die das als Spamming empfindet und unter Umständen den Shop künftig meidet.

Häufig bieten Communities außerdem interaktive Elemente für Partnershops an. Beispielsweise individuell gestaltbare Empfehlungsbuttons, die sich in die Shop-Software und damit auf die Website integrieren lassen: Im Online-Shop haben Kunden so die Möglichkeit, mit einem Klick jedes Produkt aus dem Sortiment in die Community zu transportieren und dort weiterzuempfehlen. Da die Empfehlungen vom Kunden kommen, erhöht das deren Authentizität. Weitere Formen der Zusammenarbeit sind gesponserte Wettbewerbe, bei denen die Community-Mitglieder Produkte zu bestimmten Themen zusammentragen, oder ein gemeinsamer Content-Channel, für den der Shop redaktionelle Inhalte liefert.


Reichweite erhöhen

Auf diese Weise helfen Social-Shopping-Plattformen, die Reichweite von Online-Shops zu erhöhen. Ihre Bedeutung als Absatzkanal steigt. Bei einigen Online-Shops kommen die Besucher bereits am zweithäufigsten über die Communities auf die Seite – hinter Google. Ganz im Stil des Affiliate-Marketing beteiligen Partnershops die Community mit Provisionen, also Umsatzbeteiligungen für erfolgreiche Käufe. Finanzielle Risiken bestehen für die Shops nicht.

Online-Shopping ist nicht mehr nur etwas für Preisbewusste oder Technik-Freaks, sondern erobert die breite Masse. Dabei spielen Empfehlungen als ausschlaggebendes Kriterium bei einer Kaufentscheidung auch im Internet eine immer wichtigere Rolle. Angebote für Social Shopping werden deshalb immer beliebter und Online-Shops können diese Plattformen für sich nutzen. Dabei müssen sie aber beachten, dass dort die gleichen Gesetze gelten wie in anderen Communities: Die Mitglieder wollen nicht in erster Linie konsumieren, sondern gestalten. Das kann auch mal weh tun, wenn beispielsweise Produkte in einer Bewertung nicht gut abschneiden. Intelligente Shopbetreiber nehmen die Verbesserungsvorschläge aus der Community auf und können so ihr Angebot weiter verbessern. Vor allem Social-Shopping-Plattformen bieten Shopbetreibern die Chance, mit geringem Aufwand die Möglichkeiten des Social Commerce voll auszuschöpfen.



Peter Ambrozy und Steffen Belitz sind Gründer und Geschäftsführer der edelight.de GmbH.

Peter Ambrozy (CEO) - verantwortet bei edelight die Bereiche Marketing & Investor Relations.




Steffen Berlitz (COO) - verantwortet bei edelight die Bereiche Operations & Finance.




Erschienen: 03/2008
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