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Herausforderung im Marktdatenmanagement: Dividendenschätzungen
Im Wertpapierhandel enden alle Gewissheiten. Aber gerade im sorgfältigen Umgang mit Risiken liegen Chancen. Dessen ist sich jedes Institut bewusst, das margenstarke Aktienzertifikate und Garantiefonds anbietet. Kollektive Intelligenz statt RatespielDie Einbeziehung unterschiedlicher Analystenmeinungen stellt dabei den zentralen Vorteil von Dividendenschätzungen dar. Mag der Einzelne vielleicht auch irren, so ergibt sich aus dieser „Schwarmintelligenz“ eine treffsicherere Prognose. Ihre Verlässlichkeit hängt dabei von vier zentralen Bedingungen ab:1. Integration einer Vielfalt von Meinungen – auch mit konträren Ansätzen 2. Rückgriff auf ein breites, umfassendes Spezialistennetzwerk 3. Unabhängigkeit der Einschätzungen voneinander 4. Effektive Mechanismen/Instrumente, die aus den Einzelmeinungen ein Gesamtbild formen Wer diese Bedingungen aus der Theorie kennt, den wundert es nicht, dass nur wenige Anbieter diesen Markt beherrschen (bspw. I/B E/S oder MARKIT). Alle versuchen ein Gesamtbild der allgemeinen Analysteneinschätzung zu liefern und stützen sich dafür auf ähnliche Informationen. Dennoch zeigen sich Performanceunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern von Dividendenschätzungen. Dies gilt speziell für die Qualität der historischen Daten, die für ein systematisches Backtesting unabdingbar sind. Derartige dividendenbezogene Marktdatenservices liefern nicht nur Prognosen zu Dividendenzahlungen, sondern auch eine Vielzahl weiterer Fundamentaldaten: u.a. firmeninterne Richtwerte, Bilanzen, offizielle Ankündigungen des Vorstands, das Ex-Dividend-Date sowie das Datum der Auszahlungen. Zudem werden neutrale Prognosen und historische Dividendenzahlungen bereitgestellt. Die vielfältige Anwendung von DividendenschätzungenDividendenschätzungen können in Kreditinstituten mit hohem Aktienbestand vielfältig eingesetzt werden. Zentrale Nutzungsmöglichkeiten sollen im Folgenden beispielhaft illustriert werden.Optionshandel: Um den fairen Preis einer Option zu berechnen, ohne sich ausschließlich auf einen angezeigten Börsenkurs zu verlassen, benötigt man neben dem erwarteten Betrag auch das Auszahlungsdatum. Der erwartete Dividendenbetrag wird dann entsprechend abgezinst in die jeweils verwendete Formel (Black-Scholes, CEV, etc.) eingetragen. Hierbei sind bei europäischen Optionen nur das Ausübungsdatum und das Ex-Dividend-Date im Blick zu behalten. Bei amerikanischen Optionen dagegen, ergibt sich oft auch die Notwendigkeit einer vorzeitigen Ausübung am letzten Tag vor dem Ex-Dividend-Date. Marktteilnehmer, die diesen Fall - der ja nicht immer eintritt – übersehen, ermöglichen Market Makern einen schnellen und risikolosen Zusatzgewinn. Zertifikate und Dividendenausschüttung: Nicht alle Aktienzertifikate behandeln Dividenden gleich: Bei den beliebten Discount-Zertifikaten und Zertifikaten auf einen reinen Kursindex verbleibt die Dividende beim Emittenten und muss entsprechend bei der Preiskalkulation schon frühzeitig berücksichtigt werden. Hier sind möglichst präzise Schätzwerte unverzichtbar. Dividend Stripping: Dividend Stripping oder auch Dividend Capture ist eine beliebte Handelsstrategie im Zusammenhang mit Dividendenzahlungen – aus steuerlichen Gründen. Es handelt sich um eine gedeckte (also kursneutrale) Optionsstrategie, die in die zugrunde liegende Aktie am Tag vor dem Ex-Tag long investiert und damit den Dividendenanspruch erwirbt. Der Hintergrund ist, dass Kapitalgesellschaften in Deutschland in bestimmten Fällen nur 5% der Einnahmen aus Dividenden als fiktive Betriebseinnahmen versteuern müssen, der Optionshandel dagegen zumindest bei Finanzinstituten als gewöhnliche Geschäftstätigkeit gilt. Wer diese Strategie systematisch einsetzen will, wird es hilfreich finden, die Ex-Dividend-Dates und die Höhe der Dividendenzahlungen von mehreren tausend Wertpapieren weltweit automatisch zu beziehen. Auf diese Weise lässt sich nicht nur risikofrei die Steuerlast optimieren (alle Positionen sind ja jederzeit gedeckt), sondern auch Höhe und Zeitpunkt des Liquiditätseinsatzes bequem planen. In Ergänzung zu obigen Anwendungsfeldern ist eine Nutzung von Dividendenschätzungen im Spreadtrading (Kapitalisierung der Kursdifferenz zwischen Vorzugs- und Stammaktie) und im Cash Management von Instituten (optimiertes Liquiditätsmanagement unter Berücksichtigung der zu erwartenden Dividenden) sinnvoll. Neben dieser handelsnahen Nutzung haben die Dividendenschätzungen auch eine hohe Bedeutung für das Back-Office bzw. das Risikocontrolling. Auf der einen Seite können durch Dividendenschätzungen etablierter Anbieter Return-on-Investments treffsicherer überwacht werden. Durch die Fülle an historischen Daten kann ein genauerer Mittelwert der zu erwartenden Ausschüttung mit einer geringeren Varianz prognostiziert werden. Auf der anderen Seite lassen sich durch die Verfügbarkeit von tiefen historischen Daten durch gezieltes In-House Backtesting die vom Datenanbieter gelieferten Werte mit der hausintern ermittelten Prognose vergleichen. Ergeben sich hier Abweichungen, bieten sich dann dezidierte fachliche Abstimmungen zur weiteren Verwendung der Schätzwerte an. Darüber hinaus steigert ein derartiges Backtesting kontinuierlich die Datenqualität und baut eine verlässliche interne Informationsbasis auf, die wiederum dem Handel zugute kommen kann. Der Weg zur MarktdatenversorgungEine effektive und kosteneffiziente Versorgung mit Dividendenschätzungen sicher zu stellen ist nicht trivial. Die ft consult unternehmensberatung gmbh sieht hierzu drei zentrale Schritte.1. Am Anfang steht zumeist eine Bedarfsanalyse. Gemeinsam mit dem Handel ist das hausinterne Aktienportfolio zu sichten und festzulegen, welche Dividendenschätzungen benötigt werden. Die Effizienz der Marktdatenversorgung muss bereits hier im Blick behalten werden. So sollten bereits im Rahmen der Bedarfsanalyse die entstehenden laufenden Kosten für den Datenbezug diskutiert werden. 2. Im nächsten Schritt erfolgt die Anbieterauswahl. Hierbei sind das Spektrum der angebotenen Dividendenschätzungen sowie der ermittelte Datenbedarf zu berücksichtigen. Ein sinnvolles Ergebnis kann hierbei durchaus sein, Daten von unterschiedlichen Anbietern zu beziehen, wenn bspw. deren Datenqualität, Verlässlichkeit und Abdeckung variiert. Neben diesen fachlichen Aspekten ist auf technischer Ebene insbesondere die Verwendbarkeit der Datenformate der Anbieter zu betrachten. Ebenso sind die Kosten unter Abwägung der angebotenen Datenqualität für den Bezug der Dividendenschätzung zu evaluieren. 3. Der nächste Schritt ist die qualifizierte technische Umsetzung. Hierzu gehört vor allem die Konvertierung der gelieferten Daten in das hausinterne Datenformat, um eine umfassende interne Verwendung der Marktdaten zu gewährleisten. Je nach Institut und den vorhandenen informationstechnologischen Rahmenbedingungen ist dies eine komplexe Herausforderung. Ihre Bewältigung ist jedoch erfolgskritisch, so dass höhere Aufwände bei der Einführung gerechtfertigt sind. Die einmalige Investition der Einführung und die laufenden Kosten der Versorgung mit Dividendenschätzungen zahlen sich unmittelbar aus. Der so geschaffene Informationsvorsprung - insbesondere für den Handel – und die optimierte Datenqualität ermöglichen schnell einen positiven ROI. 04/2008, Dr. Andreas Engelmann
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