Hidden Champions: Deutschlands Weltmarktführer sind oft unbekannt

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Würde man eine improvisierte Straßenumfrage zu den Platzhirschen der deutschen Industrie machen, die Antworten wären relativ klar: Bayer, BMW, Siemens – ein paar dieser großen DAX-Unternehmen könnte wohl jeder nennen. Doch einige Champions der deutschen Wirtschaft verstecken sich auch im Kleinen. Ihre Namen sind in der Regel weniger bekannt, dabei erwirtschaften sie riesige Umsätze. Wie kommt es dazu – und was können Unternehmer aus dem Phänomen „Hidden Champions“ lernen?

3D-Effekte, Maschinen und mehr?

Oftmals ist es so, dass bestimmte Industriezweige deshalb so „versteckt“ erfolgreich sind, weil sie ein Produkt herstellen, dass zur Fertigung anderer Produkte gebraucht wird. Beispielsweise Maschinen: Diese werden nur in den seltensten Fällen in einem Rutsch hergestellt. Entlang der Produktionskette findet sich oft eine Vielzahl an Zulieferern und Zwischenherstellern, die beispielsweise Gewebekompensatoren, Metallschläuche oder Isolierungen herstellen. Diese Form der Arbeitsteilung ermöglicht erst ein wirklich hohes industrielles Niveau, dass auch Global Player nicht alleine halten könnten.

Aber es geht auch anders und unerwartet: So zählte beispielsweise das deutsche Unternehmen Mackevision aus Stuttgart im vergangenen Jahr zu den umsatzstärksten Unternehmen überhaupt und rangierte an der Weltspitze. Mackevision bastelt 3D-Effekte fürs Kino und fürs Fernsehen, die in der Branche „Computer Generated Imagery“ oder kurz „CGI“ genannt werden. Die Animationen von Mackevision sehen täuschend echt aus.

Zu großem Erfolg kam das Unternehmen durch die amerikanische Hit-Serie „Game of Thrones“. Dort passiert allerlei Übernatürliches – unter anderem müssen große Schlachten visualisiert werden. Die Animationen aus Stuttgart gehören zu den besten ihrer Art – und werden deswegen für gutes Geld von den amerikanischen Produzenten gekauft, um eine der bekanntesten und beliebtesten Serien im westlichen Raum auf dem Niveau zu halten, das die Fans gewohnt sind.

Muss es immer Hip und Trendy sein?

Die beiden Beispiele zeigen: Keinesfalls kommt es für echten Erfolg so sehr darauf an, dass das hergestellte Produkt einem allgemeinen Trend entspricht oder besonders hip daherkommt. Auch ganz normale Gebrauchsgegenstände und Zulieferprodukte können zum Spitzenerfolg verhelfen, wenn sie nur dermaßen gut gemacht sind, dass sich die Qualität in der Branche herumspricht. Das ist das Geheimnis der Hidden Champions: Im Gegensatz zu den großen Marken stecken sie ihr Budget nicht in eine übermäßig teure Vermarktung, sondern lassen oftmals die hauseigene Qualität für sich sprechen.

Sobald sich dann ein größeres Unternehmen vornimmt, gemäß den eigenen Vorstellungen mit den Besten der Besten zusammenarbeiten zu wollen, führt der Weg meist schon von ganz allein zu den kleinen Helfern, die ganz große Projekte erst möglich machen. Den Unternehmern kann es am Ende egal sein, ob sie für ihre Produkte weltweit bei Endverbrauchern bekannt sind. Schließlich profitieren sie von dem Erfolg auch ohne solche Lorbeeren.