Selbstständige und Freiberufler – Wie errechne ich meinen genauen Stundenlohn?

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Selbstständig sein ist eine tolle Angelegenheit: Kein Chef, freie Arbeitszeiteinteilung und niemanden interessiert es, wie man angezogen ist. Für diese Freiheiten brauchen Freiberufler allerdings auch ein gehöriges Maß an Disziplin. Das gilt insbesondere für die Arbeitszeit, die nicht nur eingeteilt, sondern auch überwacht werden will.

Damit Freiberufler überhaupt über angemessene Preise für ihre Arbeit verhandeln können, müssen sie zunächst den Wert ihrer eigenen Arbeit ermitteln. Das kann ganz schön kompliziert werden, ist aber für eine erfolgreiche Selbstständigkeit unverzichtbar.

Wie viel Geld sollte ich pro Stunde verlangen?

Um überhaupt einen Stundenlohn errechnen zu können, muss sich der Selbstständige zunächst über seine laufenden Kosten und potentiellen zusätzlichen Ausgaben im Klaren sein. Zu den laufenden Kosten zählen Beträge wie Miete, Nebenkosten, Krankenkassenbeiträge, Versicherungen und sonstige monatliche Abbuchungen, wie beispielsweise die eines Handyvertrages oder die Mitgliedschaft im Fitnessstudio.

Weitere Kosten umfassen dann wiederkehrende Ausgaben, zum Beispiel für Büromaterial, Technik oder Weiterbildungen. Um einen adäquaten Stundenlohn errechnen zu können lohnt es sich, sowohl Einnahmen als auch Ausgaben eine Weile penibel aufzuschreiben. Später lässt sich mit einem Stundelohnrechner ausrechnen, wie viel der Freiberufler für seine aufgewendete Arbeitszeit mindestens verlangen sollte. Ganz wichtig: Steuerabzüge sollten vorher mit einberechnet werden.

Nicht immer ist klar, wie viel Steuern in einem Jahr wirklich anfallen – unter anderem wegen variierenden Steuersätzen oder auch aufgrund schwankender Auftragslagen. Trotzdem sollten Freiberufler sich die Mühe machen und die geschätzten Steuerkosten für einen groben Richtwert eines Jahreseinkommens ermitteln, damit mit dem Erhalt des Steuerbescheids nicht automatisch auch das böse Erwachen folgt.

Wie viel möchte ich arbeiten?

Eine der schönsten und zugleich kompliziertesten Angelegenheiten während der Selbstständigkeit ist die Entscheidung über die tatsächliche gewünschte Arbeitszeit. Viele Freiberufler stellen schnell fest, dass sich ihre Arbeitswochen stark von denen eines Festangestellten unterscheiden, beispielsweise wenn sie bei starken Auftragslagen deutlich mehr als acht Stunden pro Tag arbeiten und zudem auch Wochenendarbeit verrichten.

Das ist unter Umständen vertretbar, dennoch sollte der Selbstständige im Hinterkopf behalten, dass er sich seinen Urlaub und auch seine potentiellen Krankheitstage im Voraus selbst setzen muss. Die – freiwillig oder unfreiwillig – freien Tage im Jahr müssen unbedingt in den angepeilten Stundenlohn mit einfließen. Jede geleistete und entlohnte Arbeitsstunde enthält also anteilig bereits eine Vorauszahlung, die zur Absicherung dient, wenn der Krankheitsfall eintritt oder man eine Pause braucht.

Je nach Branche ist es auch nicht verkehrt, zusätzlich zu diesen Parametern noch einen Puffer aufzuschlagen, der gegen schlechte Auftragslagen absichert. Während guter Auftragslagen muss der Selbstständige also von den Auftragnehmern Beträge verlangen, die nicht nur die laufenden Kosten decken, sondern gleichzeitig den fortschreitenden Aufbau eines kleinen Sicherheitsbudgets sichern. Somit gerät man nicht ins Schwitzen, auch wenn es mal etwas weniger zu tun gibt.