Fachübersetzungen: Eine wirklich gute Übersetzung braucht jahrelange Erfahrung

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Prathan Chorruangsak/123rf.com

Viele Menschen können eine zweite Sprache sprechen. Es ist allerdings ein Trugschluss anzunehmen, dass dies gleichbedeutend mit der Fähigkeit, sehr gut zu übersetzen ist. Insbesondere für Fachübersetzungen braucht es eine entsprechende Ausbildung und oftmals jahrelange Berufserfahrung. Dieser Artikel stellt den Beruf des Fachübersetzers vor.

Fachübersetzer tragen eine enorme Verantwortung

Was sind überhaupt Fachübersetzungen? Als Fachübersetzungen bezeichnet man die Übersetzung von nicht allgemeinverständlichen Texten, also solche, wie sie etwa in der Wirtschaft und in der Politik üblich sind. Gerade Verträge und Dokumente, die Gegenstand von Verhandlungen sind, werden häufig an einen Fachübersetzer übergeben. So können sich Politiker und Unternehmer auch über Ländergrenzen hinweg verständigen. Nicht selten geht es bei politischen Dokumenten und Verträgen aber um kleinste sprachliche Details. Das weiß man nicht zuletzt aus der Rechtssprechung, bei der teilweise die Deutung eines bestimmten Worts über die Drastik eines Urteils entscheiden kann.

Diese sprachlichen Details haben es in sich: Selbst Muttersprachler sind oftmals nicht dermaßen textsicher in ihrer eigenen Sprache. Sie kennen zwar alle Wörter, wissen aber nicht um die feinen Nuancen zwischen den Synonymen oder der genauen Bedeutung bestimmter Redewendungen und Floskeln. Ist dieses Wissen nicht in seiner Gänze abrufbar, läuft die Übersetzung Gefahr, für den Leser der anderen Sprache unverständlich oder missverständlich zu sein. Das gilt es natürlich insbesondere bei Verträgen und wichtigen Dokumenten unbedingt zu vermeiden.

Welche Ausbildung durchläuft ein Übersetzer?

Der Beruf des Dolmetschers oder des Übersetzers ist ein regulärer Ausbildungsberuf. Die Ausbildung gilt gemeinhin als sehr anspruchsvoll. Mindestens eine, bestenfalls beide Sprachen, auf die sich der Übersetzer spezialisieren will, sollten zu seiner Muttersprache gehören. Man spricht hierbei auch von „Ausgangssprache“ und „Zielsprache“. Die Ausbildung zum Übersetzer dauert je nach Bundesland und Institut zwischen zwei und drei Jahren. Für eine Weiterqualifizierung lässt sich Dolmetschen auch an einer Hochschule studieren. Die Ausbildung umfasst selbstverständlich die Sprachkunde als auch Grundlegendes zum Übersetzen an sich.

Darüber hinaus lernen die Auszubildenden etwas über gängige Redewendungen des Landes – auch Idiomatik genannt – sowie Landeskunde. Das ist enorm wichtig, schließlich unterscheiden sich bestimmte Begrifflichkeiten manchmal von Land zu Land, selbst wenn es sich um die gleiche Sprache handelt. Ein Beispiel: „Public Schools“ sind in den USA öffentliche Schulen, während man mit dem gleichen Begriff in Großbritannien eine spezielle Form der Privatschule bezeichnet. Solche Feinheiten entdeckt der Übersetzer nur korrekt, wenn er die Kultur und Politik des Landes kennt, dessen Sprache er übersetzt.

Eiko Tsuchiya/123rf.com

Kann das Übersetzen auch von Maschinen übernommen werden?

Oft wird der Beruf des Übersetzers so dargestellt, als könne er schon bald von einer künstlichen Intelligenz ersetzt werden. Und in der Tat: Algorithmen sind heute außerordentlich lernfähig. Sie erkennen Zeitformen, sprachliche Besonderheiten und sogar gewisse Redewendungen korrekt und können sie schon jetzt auf erstaunlich präzise Art und Weise übersetzen. Nach wie vor setzen Unternehmen, Institute und auch die Politik aber überwiegend auf menschliche Übersetzer. Schließlich spielt auch das Vertrauen eine große Rolle bei der Übersetzung.

Bei Zweifeln kann der Übersetzer Rücksprache mit einem Verantwortlichen und fragen: Wie ist das an dieser Stelle genau gemeint? Eine Maschine entscheidet einfach nach dem höchstwahrscheinlichsten Fall und unterschätzt damit die menschliche Schwäche, sich ab und zu falsch oder missverständlich auszudrücken. Übersetzer wird es also auch in naher Zukunft noch geben und sie werden immer dort gebraucht, wo eine Übersetzung wortgenau sein muss.

Welche Berufsperspektiven gibt es für Übersetzer?

Die Welt wächst zusammen, aber die Menschen verstehen sich nicht immer. Zwar ist Englisch als Haupt-Zweitsprache weiter auf dem Vormarsch, wird aber noch nicht in allen Teilen der Welt gesprochen. Wir erleben ein Zeitalter der globalen Migration. Aus den unterschiedlichsten Gründen reisen Menschen umher und versuchen sich im Ausland niederzulassen. Dort braucht es meist schon bei der Einreise einen Übersetzer, der über das gebrochene Englisch hinaus Details vermitteln kann: Wie ist der Gesundheitsstatus? Gab es Probleme bei der Einreise? Darf Asyl beantragt werden? Spätestens, wenn es um rechtliche Fragen geht, ist ein menschlicher Übersetzer mit sprachlichem Feingefühl und Empathie unersetzlich.

Entgegen so mancher Vermutung wird der Bedarf an Übersetzern also wohl eher steigen als sinken, auch wenn wir uns mehr und mehr dran gewöhnen, dass in jedem Land „ein bisschen“ Englisch gesprochen wird. Für unsere moderne Welt und die damit einhergehende Kommunikation ist dieses Bisschen in der Regel nicht ausreichend.

Für wen eignet sich der Beruf des Übersetzers?

Übersetzer schätzen ihren Beruf sehr und werden – zumindest wenn es um Fachübersetzungen geht – nicht selten gut bezahlt. Es gibt keine Charaktereigenschaften, die eine unbedingte Voraussetzung für das Erlernen dieses Berufes sind. Jedoch kann eine Detailverliebtheit bis hin zur Kleinlichkeit absolut nicht schaden. Natürlich sollte auch eine Begeisterung für Sprache generell nicht fehlen. Und: Übersetzer sollten teamfähig sein. Oft arbeiten sie in Agenturen, nicht selten sind bei eiligen Aufträgen sogar mehrere Übersetzer mit einem Dokument beschäftigt. Eine gewisse Fähigkeit zur Absprache sollte also vorhanden sein. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, steht einer Karriere als Übersetzer nichts mehr im Wege.