Kerzen und weitere Indikatoren – Chartanalyse für Anfänger

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Die Chartanalyse ist jedem, der gerne am Finanzmarkt investiert, ein Begriff. Auch wenn es viel Kritik daran gibt und man sie immer nur mit Vorsicht genießen sollte, ist die Chartanalyse sehr weit verbreitet. Viele Anleger nehmen sie vor, bevor sie letztlich Wertpapiere kaufen. Das ist einigen nicht einmal bewusst, da sie einfach gelernt haben, dass man einmal auf die historische Entwicklung des Wertes schaut, bevor man sein Geld in etwas steckt.

Wer aber wirklich fundiert eine Chartanalyse durchführen möchte, dem ist mit einigen Fachbegriffen und einem etwas tieferen Verständnis der Chartanalyse auf jeden Fall geholfen. Eine Hilfe kann auch zum Beispiel www.forexbroker.de sein.

Worauf zielt die Chartanalyse ab?

Die Chartanalyse befasst sich mit der historischen Entwicklung des Wertes eines Finanzproduktes. Dabei kann es sich ebenso um eine Aktie wie um eine Anleihe oder Anteile an einem Fonds handeln. Alles, wozu es ein Diagramm mit der Preisentwicklung in der Vergangenheit gibt, lässt sich mit Hilfe der Chartanalyse bewerten.

Die Informationen zur historischen Wertentwicklung einer Position werden dazu genutzt, abzuschätzen, wie sich der Preis dieses Postens in der Zukunft entwickeln wird. Mit Hilfe der Kurs- und Umsatzhistorien des Wertpapiers versucht man, Zeitpunkte herauszufinden, wann der Kauf oder Verkauf einer Aktie günstig ist.

Basics zur Chartanalyse

Bei der Chartanalyse geht es darum, aus der Kurs- und gegebenenfalls auch der Umsatzhistorie eines Wertpapiers Anzeichen dafür abzulesen, ob man dieses aktuell kaufen, verkaufen oder halten sollte. Dabei nimmt man aber keine Rücksicht auf betriebswirtschaftliche Daten des Unternehmens oder die allgemeine Entwicklung der Volkswirtschaft, was man zum Beispiel bei der Fundamentalanalyse tut.

Die Annahme, die der Chartanalyse unweigerlich zugrunde liegt, besagt, dass relevante Informationen zur Vergangenheit und zur Zukunft des Preises bereits im Kursverlauf enthalten sind, da man immer wieder ähnliche Kursabläufe mit vergleichbaren zukünftigen Verläufen gibt. Aus diesem Grund kann man Prognosen über die zukünftige Kursentwicklung wagen. Unweigerlich ist damit verbunden, dass die Kapitalmärkte nicht effizient arbeiten.

Die Hypothese der Markteffizienz schließt es explizit aus, dass man aus der Analyse des historischen Kursverlaufes Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Preises ziehen kann. Auf dieser Basis wird die meiste Kritik an der technischen Analyse geübt.

Relevante Chartmuster

In einer Tradition der Chartanalyse geht es darum, Muster in einem Chart zu finden, mit denen man eine Trendwende oder eine Verstetigung eines Trends belegen kann. Dabei sucht man hauptsächlich nach Spikes, Trendlinien und –kanälen sowie Gaps.

Spike

Ein Spike zeigt an einem Tag ein deutliches Hoch bzw. Tief, das der vorherigen Kursentwicklung in besonders starkem Maße folgt. Daher sticht der Spike deutlich aus der sonstigen Wertentwicklung hervor, indem er sich erheblich von den Kursen des vergangenen und nächsten Tages absetzt. In einem Balkenchart hat er auch die Form einer Pfeilspitze.

Am Spike erkennt man den Höhepunkt einer Kauf- oder Verkaufsbewegung, die unweigerlich von einer Trendumkehr gefolgt wird, welche durch ein hohes Volumen auffällt. Je stärker er aus der sonstigen Entwicklung des Charts hervorsticht, desto mehr Aufmerksamkeit verdient der Spike.

Trendlinien und –kanäle

Trendlinien zeigen die längerfristige Entwicklung eines Wertpapiers auf. Dabei kann man einen Abwärtstrend an zwei nicht allzu kurz aufeinander folgenden lokalen Maxima des Charts erkennen, während ein Aufwärtstrend durch zwei zeitlich nicht zu nah beieinander liegende lokale Minima belegt wird.

Ein Trendkanal gibt anders als eine Trendlinie die belastbare langfristige Entwicklung eines Wertpapiers wieder. Hier findet man zwei oder mehr gleichartige Trends in einigem Abstand zueinander. Wenn diese ähnlich verlaufen, sodass die jeweiligen Trendlinien möglichst parallel zueinander sind, handelt es sich um einen Trendkanal. Wenn die beiden Trends kurz aufeinander folgen, sieht man eher kurzfristige Kursschwankungen. Liegen die beiden Parallelen weiter voneinander entfernt, handelt es sich um längere Kurszyklen.

Auch innerhalb eines starken Trends findet man einmal kurzfristig gegenläufige Entwicklungen. Diese bieten gute Chancen zum Kauf oder Verkauf, wenn sich der Wert spontan an die untere oder obere Begrenzung des Trendkanals annähert. Bei Trendlinien muss man allerdings immer vorsichtig sein, da sie nur für die Vergangenheit verlässlich gezeichnet werden können. Häufig wird eine Kursänderung zunächst falsch eingeschätzt.

Gap

Nach Gaps sucht man ganz dem Wortsinn getreu, wenn man nach Lücken im Diagramm Ausschau hält. Bei einer Form der Gap fällt das Hoch eines Tages immer noch geringer aus als das Tief des darauffolgenden Tages. In diesem Falle sieht man eine Gap nach oben. Bei einer Gap nach unten wird das Tief eines Tages durch das Hoch des nächsten Tages nicht erreicht. Gerade in Balkencharts kann man Gaps gut erkennen, da dort immer die Hochs und Tiefs der jeweiligen Tage durch eine senkrechte Linie bildlich dargestellt werden.

Kleine einzelne Gaps sind wenig relevant. Anders Ausbruchsgaps oder „Breakaway Gaps“, die mit einen größeren Kurssprung ein neues Hoch oder Tief erreichen, die eher Aufmerksamkeit fordern. Eine „Runaway Gap“ mit einem oder mehreren Kurssprüngen hintereinander folgt dem allgemeinen Trend der Wertentwicklung. Eine „Exhaustion Gap“ bildet mit einem Kurssprung das Ende eines Trends, woraufhin sich der Wert der Position gegensätzlich entwickelt.

Wichtige technische Indikatoren

Mit einem technischen Indikator sollen Kursverläufe quantifiziert und auf wenige relevante Informationen reduziert werden. Die in der Überschrift genannten Kerzen sind eigentlich kein Indikator, sondern eine Chartform, aber dienen ebenso dazu, den Wertverlauf übersichtlich darzustellen. Dabei werden die Eröffnungs- und Schlusskurse eines Tages mit einem Rechteck verbunden, welches je nach Tagesentwicklung unterschiedlich ausgefüllt wird.

Die Hochs und Tiefs des Tages werden mit einer senkrechten Linie am Rand des Rechtecks symbolisiert, die an einen Docht erinnert. Daher kommt auch der Name Kerzenchart. Indikatoren im engeren Sinne werden in trendfolgende Indikatoren und Oszillatoren unterschieden.

Trendfolgende Indikatoren

Trendfolgende Indikatoren zeigen an, ob der Kurs gerade in einem steigenden oder in einem fallenden Trend begriffen ist. Hier ist es wichtig, sich auf den Namensbestandteil „folgende“ zu konzentrieren, denn diese Indikatoren reagieren immer erst verzögert. So wird ein Trend erst mit etwas Zeitverzug registriert, und auch die Trendumkehr wird nicht direkt wiedergegeben. Zudem kann man anhand eines trendfolgenden Indikators keine Aussagen über die künftige Preisentwicklung treffen.

Die bekanntesten trendfolgenden Indikatoren sind der gleitende Durchschnitt und der MACD. Neben trendfolgenden Indikatoren gibt es auch Trendstärkeindikatoren, die prüfen, ob überhaupt ein Trend irgendeiner Art vorliegt. Wenn die Kurswerte häufig schwanken, verleiten trendfolgende Indikatoren häufig zu falschen Schlüssen.

Oszillatoren

Ein Oszillator dient dazu, eine Trendwende zu erkennen. Dabei werden Wendepunkte im Kursverlauf gesucht. Die Trendwende kann mit Hilfe eines Oszillators sowohl nachträglich bestätigt als auch vorher antizipiert werden. Ein Oszillator unterscheidet sich somit sowohl im Hinblick auf das Objekt der Untersuchung als auch die zeitliche Orientierung von einem trendfolgenden Indikator. Bei der Betrachtung von Oszillatoren sind die Begriffe überkauft und überverkauft wichtig, die sich jeweils auf Trendwenden nach unten bzw. nach oben beziehen.

Vorsicht beim Genuss der Chartanalyse

Trotz aller Vorteile ist bei der Chartanalyse doch Vorsicht angeraten. Auch wenn sich viele Papiere zyklisch bewegen, sodass sie einigermaßen vorhersehbar sind, und Trends oft lange andauern, kann man sich nie zu 100 Prozent auf die Vorhersage der zukünftigen Preisentwicklung verlassen. Schließlich kann immer auch etwas passieren, das man nicht wirklich vorhersehen kann.

So beeinflussen sowohl Informationen aus dem Unternehmen als auch Informationen aus der Welt die Kurse. Beispielsweise hätte niemand vor einigen Monaten geahnt, dass der Dax bald unter einem Handelskrieg ächzt, und ebenso konnte niemand den Dieselskandal bei VW vorhersagen. Gerade Enthüllungen, die den Kurs negativ beeinflussen, kommen inzwischen häufiger vor, weshalb sich die Unternehmen auch dagegen versichern.