Kauf auf Rechnung: Was ist in Deutschland erlaubt, was ist verboten?

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Andrey_Popov/shutterstock.com

Erst die Ware bekommen und später bezahlen – klingt das nicht schön? Was für einige nur ein Komfort ist, ist für andere die nackte Notwendigkeit. Viele Menschen kaufen in Deutschland auf Rechnung und zahlen später ab. Aber ist das auch immer erlaubt? Und wo lauern die Fallstricke? Dieser Artikel klärt auf.

Kauf auf Rechnung ist im Internet sehr beliebt

Ganz besonders beim Online-Shopping schätzen die Kunden den Kauf auf Rechnung. Da ist auch klar, warum das so ist: Anders als beim „Offline-Kauf“, schätzt man am Online-Shopping ja gerade, dass kein Bargeld und keine echte Interaktion benötigt wird. Umständliches Eingeben von Zahlungsdaten missfällt vielen Kunden. Und gerade in Deutschland sind viele Menschen um ihre Daten besorgt. Daher geben sie ganz besonders ungern ihre Kreditkartennummer oder IBAN an Unternehmen heraus, denen sie nicht trauen oder bei denen sie nicht planen, regelmäßig einzukaufen. Besonders beliebt ist in Deutschland der Kauf auf Rechnung mit PayPal. PayPal erlaubt seinen Kunden seit kurzem auch eine „Kauf jetzt, zahl später“-Option. Diese gibt es laut Unternehmensangaben bislang nur für „ausgewählte Kunden in teilnehmenden Shops“.

Es zeichnet sich aber bereits ab, dass das Modell später zum Standard werden soll. PayPal erlaubt seinen Kunden, die Ware zuerst zu kaufen und 14 Tage später zu zahlen. Genau genommen zahlt also zunächst PayPal für die Ware und holt sich dann später das Geld vom Kunden zurück. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Weil es sehr komfortabel ist, ohne Zahlung einzukaufen, erhofft sich PayPal ein größeres Kaufvolumen durch die „später bezahlen“-Funktion. Derzeit wird das Modell mit einigen Partnern erprobt, denen PayPal glaubhaft versichern kann, durch die Funktion größere Kaufanreize zu schaffen. Die Kunden werden das dankend annehmen.

Wann ist ein Kauf auf Rechnung angemessen?

Aber auch über den Online-Handel hinaus lässt sich bei vielen Händlern auch in der analogen Welt auf Rechnung kaufen. Die Händler wissen, dass der Kauf auf Rechnung bei den Kunden sehr beliebt ist und das Hinterlegen der Zahlungsdaten schon viele vom Kauf abgehalten hat. Daher bieten sie den Rechnungskauf auch nach wie vor an, selbst wenn sie dadurch Zahlungsausfälle oder andere Komplikationen befürchten müssen. Das Risiko bleibt für die Händler in der Regel überschaubar und die Gefahr, viele Kunden durch das Nicht-Anbieten der Option zu verschrecken, ist zu groß. In der Regel sichern sich die Händler mit einer Bonitätsprüfung gegen Zahlungsausfälle ab. Diese wird in der Regel von einer speziellen Auskunftei im Auftrag der Händler durchgeführt. Der Kunde merkt davon in der Regel wenig.

Da der Rechnungskauf für viele Händler also ein zweischneidiges Schwert ist, ist es oftmals nicht ganz offensichtlich, dass er überhaupt angeboten wird. Viele Kaufhäuser gehen damit nicht hausieren, die Kunden müssen gezielt nach einem Kauf auf Rechnung fragen, um das Angebot zu bekommen. In den meisten Fällen wird der Rechnungskauf aber erlaubt. Die Händler befürchten sonst eine zu große Absprungrate und ausbleibenden Umsatz.

Vor- und Nachteile des Kaufs auf Rechnung

Die Vorteile des Kaufs auf Rechnung sind für die Kunden offensichtlich, aber auch der Händler profitiert von einer Kundschaft, die im Zweifel eher bereit ist, auch mal etwas mehr zu bezahlen, wenn in Aussicht gestellt wird, dass der Betrag erst später beglichen werden muss. Für die Kunden birgt der Kauf auf Rechnung nur Gefahren, wenn man nicht sicher ist, dass man die Zahlungsfrist auch einhalten wird oder ob man zum entsprechenden Zeitpunkt überhaupt Liquide wird. Eine gewisse Zahlungsfrist gewähren die Händler gern, aber Zahlungsausfälle werden normalerweise hart verfolgt. Die erste Mahnung kann bereits wenige Tage nach Überschreiten der Zahlungsfrist ins Haus flattern – und mit ihr auch Mahnungsgebühren, die durchaus erlaubt sind.

Zwar verschicken manche Händler auch zunächst eine sogenannte Zahlungserinnerung – eine freundliche Aufforderung ohne zusätzliche Gebühren – sie sind aber rechtlich nicht dazu verpflichtet. Es liegt allein im Ermessen des Händlers, ob er gleich zur Mahnung greift oder seine Kunden zunächst erinnert. Ist ein Kalenderdatum als Zahlungsfrist auf der Rechnung vermerkt, kommt der Kunde theoretisch sofort in Zahlungsverzug, auch wenn keine Mahnung verschickt wurde. Ist kein Datum auf der Rechnung angegeben, gilt in Deutschland die sogenannte 30-Tage-Regelung. Aber auch auf diese muss der Händler gesondert hinweisen.

Befindet sich der Käufer in Zahlungsverzug, beauftragen manche Unternehmen sofort ein Inkassounternehmen. Diese kümmern sich darum, die Rechnung einzutreiben und schöpfen dabei alle rechtlichen Mittel aus. Als letztes Mittel gilt das gerichtliche Mahnverfahren, was sogar in einer Pfändung enden kann. Zum Kauf auf Rechnung sollte man sich also nur entschließen, wenn man sich wirklich sicher ist, dass man die Rechnung innerhalb der angegebenen Frist – meistens innerhalb von 14 oder 30 Tagen – auch wirklich bezahlen kann. Verbraucherschützer raten dringlichst davon ab, auf Rechnung zu kaufen, weil man knapp bei Kasse ist oder wenn man noch auf Zahlungen wartet, deren Eingang ungewiss ist. Ist man jedoch liquide und schätzt die Sicherheit und Bequemlichkeit des Rechnungskaufs, steht dieser Zahlmethode nichts im Weg.