Dispoumschuldung: Spürbare Zinsentlastung in Sicht

0
31
Rawpixel.com/shutterstock.com

Der Dispo wird von deutschen Bankkunden noch immer gern genutzt. Schließlich bietet er rasche finanzielle Hilfe, völlig unkompliziert. Doch die finanzielle Flexibilität hat ihren Preis, denn die Zinsen würden Dispositionskredit sind mit durchschnittlich mehr als 10 % enorm. Eine Dispoumschuldung bringt mit nur wenigen Klicks viel Sparpotenzial.

Dispo – was ist das?

Die geduldete Überziehung des eigenen Kontos ist in Deutschland äußerst beliebt. Umfragen zeigen, dass im Januar 2022 mehr als 6,5 Millionen Deutsche ihren Dispositionsrahmen ausnutzten. Dessen Höhe kann deutlich variieren und orientiert sich an der eigenen Bonität und den monatlichen Einnahmen. Die Bank stellt den Dispositionskredit auf Wunsch in der kalkulierten Höhe zur Verfügung, welche häufig die dreifachen Monatseinnahmen umfasst. Wer beispielsweise monatlich 2.500 Euro verdient, erhält einen Dispo von ca. 7.500 Euro maximal. Individuelle Anpassungen nach unten oder sogar die Streichung des Dispos sind nach Rücksprache mit der Bank jederzeit möglich.

Die Dispo-Vorteile

Viele Verbraucher schätzen die Vorzüge des Dispositionskredites, denn damit wird die Einlösung von Lastschriften oder die Durchführung von Daueraufträgen auch ohne unzureichende Kontodeckung möglich. Dafür müssen Bankkunden nicht erst aufwendige Rücksprache mit ihrem Berater halten, sondern dürfen auf ihren Dispositionskredit vertrauen. Häufig wird der bereitgestellte Überziehungsrahmen schon bald mit dem nächsten Geldeingang der ausgeglichen.

Die Dispo-Falle droht

Es lohnt sich, den Dispositionskredit aufzulösen und umzuschulden, sobald die Kontoüberziehung nicht mehr zeitnah mit den monatlichen Einnahmen ausgeglichen werden kann. Solange der Dispositionskredit beansprucht wird, müssen Kunden dafür zahlen. Die Zinsbelastungen sind mit durchschnittlich mehr als 10 % bei vielen Banken äußerst hoch, was die finanzielle Flexibilität verteuert. Hier können Kosten gespart werden, wenn als Überbrückungskredit nicht der Dispo genutzt wird, sondern beispielsweise der Ratenkredit eine Lösung darstellt.

So teuer sind Dispo und Ratenkredit wirklich

Mehr als 10 % Zinsen für den Dispo vs. ca. 4 % Zinsen über den Ratenkredit – viele Verbraucher haben gar keine Vorstellung, was dies tatsächlich mit ihrem Budget macht. Ein exemplarisches Beispiel zeigt, wie teuer ein Dispokredit in Höhe von 2.000 Euro tatsächlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten werden könnte. Die Zinsen für den Dispo betragen in diesem Beispiel 11,5 %. Bei einigen Kreditinstituten können die Zinsen jedoch auch mehr als 14 % betragen. Deshalb fordern viele Experten schon lange eine Deckelung der Dispozinsen, was jedoch bislang noch nicht geschehen ist.

Bei einer kurzfristigen Inanspruchnahme von drei Monaten kostet der gewährte Dispo mit 2.000 Euro und 11,5 % Zinsen lediglich 77 Euro. Auf den ersten Blick nicht viel für so viel finanzielle Flexibilität. Doch die Kosten bei einer Inanspruchnahme von zwölf Monaten sind deutlich höher. Wer den Dispo ausreizt und 2.000 Euro nutzt, muss dafür Kosten von 230 Euro zahlen.

Im Gegensatz dazu die günstigeren Konditionen für einen Ratenkredit. Die Bedingungen können auch hier variieren, doch die Zinsen sind mit durchschnittlich 3 % bis 4 % viel attraktiver. In diesem Beispiel betragen die Ratenkredit-Zinsen für eine Laufzeit von zwölf Monaten und einer Höhe von 2.000 Euro 2,79 %. Das macht Zinskosten in Höhe von 30 Euro. Hier zeigt sich klar, wie hoch das enorme Sparpotenzial gegenüber dem Dispositionskredit tatsächlich ist.

Finanzielle Freiheit ohne großen Aufwand: Der Dispokredit bietet kurzfristigen Spielraum, um beispielsweise Shoppingtouren und Co. vor dem Gehaltseingang zu ermöglichen | Kriang kan/shutterstock.com

Ratenkredit vs. Dispo: Wer hat bei der Bereitstellung die Nase vorn?

Dass der Ratenkredit im Vergleich zum Dispositionskredit deutlich günstiger bei den Zinskosten ist, hat das Beispiel gezeigt. Doch wie sieht es bei der Schnelligkeit in puncto Bereitstellung aus? Der Disporahmen wird in der Regel mit der Kontoeröffnung bzw. nach den ersten Geldeingängen bereitgestellt. Einmal gewährt, steht er automatisch bis auf Widerruf durch die Bank oder den Kontoinhaber zur Verfügung; kann flexibel bis zum Maximallimit genutzt und häufig sogar auf Nachfrage erweitert werden. Ein Kinderspiel, welches finanzielle Freiheit ohne großes Zutun der Kontoinhaber erfordert.

Der Ratenkredit ist nicht so schnell verfügbar. Auch bei Online-Vergleich und -Beantragung dauert es erfahrungsgemäß ein bis zwei Tage, bis das Darlehen bereitsteht. In Sachen Schnelligkeit hat der Dispokredit somit einen Vorteil. Clevere Verbraucher haben allerdings den Überblick über ihre finanzielle Situation und agieren vorausschauend.

Stehen beispielsweise einige Ausgaben an, welche eine kurzfristige Überbrückung der Liquiditätsengpässe erfordern, agieren sie vorab. Dafür nutzen sie beispielsweise einen Online-Darlehensvergleich, um sich die attraktivsten Zinskosten anzeigen zu lassen. Statt den teureren Dispositionskredit zu beanspruchen, wird der Ratenkredit beantragt, am besten mit Sondertilgungsrecht. Auf diese Weise ist es sogar möglich, dass Darlehen auf Wunsch vor Ablauf zurückzuzahlen und weiteres Zinssparpotenzial zu nutzen.

Dispo vs. Ratenkredit: Wo gibt es den höheren Kreditrahmen?

Der Dispositionskredit wird nur bis zu einem bestimmten Maximum bereitgestellt. Entscheidend für die Darlehenshöhe ist das nachweisliche Netto-Einkommen. Deshalb ist der Dispositionskredit weniger flexibel als vielleicht gedacht – vor allem bei größerem Finanzierungsbedarf. Im Gegensatz dazu bietet der Ratenkredit vielmehr Flexibilität bei der Kredithöhe. Er kann bei den meisten Banken schon mit kleinsten Beträgen ab 1.000 Euro genutzt werden und nach oben hin gibt es kaum Grenzen. Voraussetzung hierfür sind jedoch ausreichende Bonität und ein geregeltes Einkommen.

Weniger Flexibilität, aber bessere Zinsen: Ratenkredite mit Zweckbindung

Für alle, die sich vielleicht mehr finanzielle Freiheit bei der Finanzierung ihres Wunschwagens oder bei der Renovierung der eigenen vier Wände verschaffen wollen, gibt es gute Nachrichten. Den Dispo müssen sie dafür nicht nutzen, denn es gibt lukrative Ratenkredite mit echten Niedrigzinsen. Banken stellen beispielsweise Ratenkredite mit Zweckbindung für den Kfz-Kauf zu besonders günstigen Konditionen zur Verfügung. Ursächlich dafür sind die Sicherheiten, welche beispielsweise durch das erworbene Kfz eingebracht werden. Dafür spendiert die Bank günstigeren Zinsen, schränkt die Kreditnehmer jedoch bei der Verwendung ein. Häufig müssen Kreditnehmer sogar den Kfz-Brief als Nachweis hinterlegen bzw. eine Kopie an die Bank senden.

Teure Zinskosten sparen. Wer seinen Dispo länger nutzen will, sollte lieber zur Ratenkredit-Alternative greifen. Die Zinsdifferenz beträgt häufig mehr als 6 % | pixabay.com

Dispo vs. Ratenkredit: Wo ist die Rückzahlung besonders flexibel?

Immer mehr Bankkunden mischen sich Flexibilität bei Konto- und Kreditnutzung. Dispo oder Ratenkredit – wer bei der Flexibilität überzeugen? Wer einen Dispositionskredit nutzt, muss diesen in der Regel nicht zu einem festen Datum zurückzahlen. Häufig wird der beanspruchte Dispo durch die monatlichen Geldeingänge ausgeglichen. Auch Überweisungen oder andere Einzahlungen können für den Ausgleich des Dispos vorgenommen werden.

Entscheiden sich Bankkunden für einen Ratenkredit, gehen sie ein Vertragsverhältnis ein. Hierin sind Rückzahlungsdauer, monatliche Rate und Rückzahlungsdatum transparent geregelt. Für Flexibilität bleibt nach Vertragsabschluss kaum Raum, denn die monatlichen Zahlungen müssen fristgerecht erfolgen. Bei ihnen nicht nachkommen kann, läuft Gefahr, dass das Darlehen sofort vollumfänglich fällig wird.

Mehr Flexibilität mit Option auf Ratenpause oder Sondertilgung beim Kredit

Viele Banken haben auf die Flexibilitätsbedürfnisse ihrer Kunden beim Darlehen reagiert. So bieten sie beispielsweise Extras wie Ratenpausen oder Sondertilgungen. Eine Aussetzung der Rate ist beispielsweise einmal in einem Zeitraum von zwei Jahren möglich. Jede Bank bestimmt die Konditionen dafür selbst, sodass individuelles Verhandlungsgeschick vor Vertragsunterzeichnung gefragt ist.

Kann die monatlich vereinbarte Rate einmal nicht getilgt werden, hat dies dank der Vereinbarung zur Pause keine negativen Auswirkungen und nimmt den Druck von den Darlehensnehmern. Auch die Sondertilgung sorgt für mehr Flexibilität. Sie berechtigt Darlehensnehmer dazu, eine außerplanmäßige Zahlung zur Reduzierung der Kreditsumme durchzuführen. Wird diese Option kostenfrei angeboten, können Darlehensnehmer damit langfristig sparen und die Kreditlaufzeit reduzieren.

Wo gibt es mehr Übersicht für Verbraucher – Dispo oder Ratenkredit?

Aus den Augen, aus dem Sinn – das mit einem Dispokredit nicht geschehen. Mit jedem Kontoaufruf bzw. Kontoauszug sehen Kunden den genauen Schuldenstand. Jede einzelne Transaktion auf dem Konto wird ebenfalls transparent sichtbar und lässt sich zutage meist bequem mit dem Smartphone bzw. Tablet über das Online-Banking abrufen.

Der Ratenkredit erfordert vielerorts etwas mehr Aufwand. Wird er nicht bei der eigenen Hausbank mit dem Dispo, sondern einem anderen Anbieter abgeschlossen, muss ein separater Abruf erfolgen. Wer möchte, kann sich in vielen Fällen sogar einmal pro Monat über den aktuellen Kreditstand per Online-Kontoauszug verbunden mit einem Hinweis per E-Mail oder SMS informieren.

Umschuldung durch Ratenkredit: Dispo reduzieren, um Schuldenfalle zu umgehen

Wer seinen Dispositionskredit für einen längeren Zeitraum nicht durch monatliche Einnahmen ausgleichen kann, sollte an Umschuldung denken. Die Zinsen des Ratenkredites sind auch bei kurzer Laufzeit deutlich günstiger als beim Dispositionskredit. Viele Verbraucher machen jedoch den Fehler, eine Ratenkredit aufzunehmen und dennoch einen Disporahmen zu behalten. Bei Unkenntnis der finanziellen Lage kann dies zur Überschuldung führen. Deshalb am besten nach Bewilligung des Ratenkredites den Dispo ausgleichen und ihn reduzieren oder sogar streichen.

Zu viele Konten und Co. können Dispo und Ratenkredit unnötig teuer machen

Was viele Verbraucher gar nicht wissen: Sämtliche Kreditkarten, Kunden, Verträge und Co. werden bei der SCHUFA gespeichert. Zu viele Darlehen, Konto- und Kreditkarten oder sogar genutzt Kredite können sich nachteilig auf die angebotenen Zinsen und die Bonität im Allgemeinen auswirken. Deshalb unbedingt genau prüfen, welche Bankprodukte wirklich notwendig sind. Behilflich für einen besseren Überblick ist die Auskunft zu den eigenen SCHUFA-Informationen.

Einmal jährlich hat jeder Bürger in Deutschland die Möglichkeit, eine kostenlose Informationsübersicht aller gespeicherten Angaben zur eigenen Person zu erhalten. Hier zeigt sich übersichtlich, ob es womöglich längst vergessene Konten oder falsche Informationen gibt, welche die Bonität womöglich nachteilig beeinflussen. Sind tatsächlich falsche Informationen bei der SCHUFA hinterlegt, können Verbraucher auf Löschung bestehen. Dies geht nur durch eine schriftliche Aufforderung und den Nachweis der vermeintlich falschen Informationen. Aber Vorsicht, denn einige Angaben bleiben mehrere Monate gespeichert.

Eine Darlehensanfrage beispielsweise bleibt zwölf Monate im Datensatz bestehen und wird dann automatisch gelöscht. Bereits beendete Kredite bleiben sogar länger gespeichert, werden allerdings als erledigt gekennzeichnet und haben somit keine unmittelbare Auswirkung auf laufende Bonitätsprüfungen.