Die Codes bei Arbeitszeugnissen entschlüsseln

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In der Zeugnissprache sind herabwürdigende Formulierungen und offene Kritik ausgeschlossen – keinesfalls jedoch verborgene. Als Folge festigte sich in der Vergangenheit eine eigene Zeugnissprache – mit reichhaltiger (angeblicher) Zeichensprache und vereinheitlichten Schlagworten, die alle ganz positiv klingen, aber teilweise das exakte Gegenteil bedeuten. Falls ein Bewerber dies nicht erkennt, kann die Jobsuche ein Problem aufweisen.

Begriffsklärung: Einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis

Die vorher angedeuteten Codes und Formulierungen sind nicht in einem einfachen Arbeitszeugnis anzutreffen, sondern bevorzugt nur in einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Die Differenz besteht:

  • In einem einfachen Zeugnis sind nur sachliche und unbefangene nachprüfbare Fakten enthalten. Welche Aufgaben übernahm der Arbeitnehmer? In welchem Zeitraum war er beschäftigt?
  • Ein qualifiziertes Zeugnis enthält neben den reinen Daten die oben bereits erwähnte Leistungsbeurteilung und das soziale Verhalten des Arbeitnehmers. Die Codes bei Arbeitszeugnissen finden sich üblicherweise in der Beurteilung der Leistung und des Verhaltens sowie in der Schlussformel. Hierauf ist der Fokus zu richten.
Arbeitszeugnis: Diese 5 Punkte sind für Personaler interessant

Im ersten Augenblick ist jedes Zeugnis attraktiv, weil es wohlgesinnt erstellt sein muss. Manchmal trügt der Schein und niemand sollte sich in Sicherheit wiegen. Jedes Arbeitszeugnis wird tatsächlich eine Zeitlang den Begleiter im Berufsleben darstellen. Bei jeder erneuten Bewerbung wird das Zeugnis vorgelegt.

Personaler lesen besonders gerne und mit hoher Aufmerksamkeit Arbeitszeugnisse. Jeder Bewerber versucht in einem Anschreiben, eine gute Position darzustellen. Jedoch stammt das Arbeitszeugnis von einer dritten Person, der mit dem Bewerber bereits durch die Zusammenarbeit Erfahrung sammelte. Hier liegt die eigentliche Gefahr, die entstehen kann.

Personaler achten auf folgende Punkte in einem Arbeitszeugnis

  • Formale Kriterien: Wurde für das Zeugnis Firmenpapier verwendet? Sind Anschriften und Unterschriften vorhanden?
  • Verantwortungsbereich des Bewerbers: Bestätigt das Zeugnis die Kompetenz wie in der ausgeschriebenen Stellenanzeige?
  • Abgleich zum Lebenslauf: Stimmen die Angaben des Zeugnis mit den Zeiten im Lebenslauf überein?
  • Zeugniscodes und Alarmzeichen: Was verraten vorherige Arbeitgeber über den Kandidaten zwischen den Zeilen?
  • Leistungen im Laufe der Zeit: Wie entwickelten sich die Leistungen während einer Zeitspanne zwischen drei Zeugnissen?

Geheimcodes: Übersetzung und Bewertung von Formulierungen

In den klassischen Zeugniscodes finden sich schon lange kaum verständliche Schulnoten. Im Regelfall sind diese an den Bezeichnungen „stets“ oder „zur vollsten“ beziehungsweise „zur vollen“ erkennbar. Beim Wort „bemüht“ sollten die Alarmglocken schrillen. Der Begriff bedeutet nie etwas Positives und bezeichnet, dass sich jemand Mühe gab, aber nichts schaffte.

Die traditionellen Verschlüsselungstechniken in Arbeitszeugnissen funktionieren nach folgendem Schema:

Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben…

  • Note sehr gut: …stets zur vollsten Zufriedenheit.
  • Note gut: …zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit.
  • Note befriedigend: … zur vollen Zufriedenheit.
  • Note ausreichend: …zur Zufriedenheit.
  • Note mangelhaft: im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.
  • Note ungenügend: …Er/Sie hat sich bemüht

Die Erklärungen sind endlos weiterzuführen. Um Risiken auszuschließen, sollte bereits frühzeitig auf eine professionelle Analyse des Zeugnisses nicht verzichtet werden.