Industrie-News: Digitalisierung und Werkzeugmaschinenindustrie

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© fotolia.com - Alexander Limbach

Wenn über aktuelle Trends in der Industrie gesprochen wird, fällt derzeit überall das Schlagwort „Industrie 4.0“. Gemeint sind intelligente Fertigungssysteme, die sich untereinander vernetzen lassen und ganze Produktionsketten vollautomatisiert übernehmen können. Der nachfolgende Text möchte zeigen, dass es aber auch gute Gründe gibt, klassische Branchen wie konventionelle Drehmaschinen nicht zu vernachlässigen.

In Europa wird vernetzt, in China läuft die Industrie erst an

China gilt vielen als der nächste Global Player der Weltwirtschaft. Ein Blick auf die Wachstumszahlen und -prognosen zeigt: Das Land kann schon jetzt problemlos bei den „Großen“ mitspielen. Digitalisierung und Vernetzung spielt dabei bei dem Giganten aber noch nicht eine so große Rolle wie hierzulande. Vielmehr setzen die Chinesen derzeit auf klassischen Maschinenbau. Konventionelle Drehmaschinen in Unternehmen, wie sie hierzulande auch nach wie vor viel und gern genutzt werden, sind gerade in Ländern mit großem industriellen Wachstum beliebt.

Der Werkzeugmaschinenmarkt in China hat kräftig an Fahrt aufgenommen. Für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist China einer der weltweit wichtigsten Absatzmärkte. Zwar zeichnet sich schon jetzt ab, dass digitale Lösungen auch in China in naher Zukunft schon eine große Rolle spielen werden, derzeit wird aber vor allem versucht, konventionelle Industrien so gut wie möglich auszubauen. Für Hersteller von Werkzeugmaschinen in Deutschland ist das ausgesprochen günstig: Laut Zahlen des Verbandes der deutschen Werkzeugfabriken konnte die Branche in den vergangenen Jahren jedes Mal wachsen. Für 2019 wird ebenfalls ein sattes Plus beim Volumen erwartet.

Einseitige Fokussierung auf Digitalisierung lässt Unternehmer blind für die Weltwirtschaft werden

Ein ganzheitlicher Blick auf die weltweite Wirtschaft zeigt: Digitalisierung ist ein wichtiger Faktor, bei weitem aber nicht der einzige. In China selbst wird beispielsweise nach wie vor vorwiegend Low-Tech produziert. Die Massenware exportiert der Aufsteiger überwiegend an Entwicklungsländer. Die Chinesen wollen aber schon bald auf das Niveau ihrer westlichen Nachbarn kommen. Dazu brauchen sie aktuell importierte Maschinen, feilen aber auch durchaus an eigenen technischen Lösungen.

Die Fokussierung der Unternehmen auf digitale Lösungen könnte eine Einbahnstraße sein, sobald Absatzmärkte wie China dafür wegbrechen, weil die Länder eigenständige digitale Lösungen entwickeln. Schon in naher Zukunft könnte sich ein Strategiewechsel für Unternehmer als lohnenswert herausstellen: Bewusst den Digital-Boom vernachlässigen und stattdessen auf konventionelle Lösungen in hoher Qualität setzen. Diese können nämlich nicht so leicht nachgeahmt und deswegen umso besser verkauft werden, wenn sich die Struktur der Absatzmärkte wieder ändert.

Schon bald wird der Markt vielleicht von günstigen, massenhaft produzierten Digitaltechnologien überschwemmt sein. Dann werden qualitativ hochwertige Maschinen für traditionelle industrielle Branchen, wie etwa konventionelle Drehmaschinen, wieder gefragt sein. Unternehmer sollten sich daher gut überlegen, ob sie auf den Digitalzug aufspringen wollen. Die Devise sollte lauten: Entweder ganz oder gar nicht.